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Nephrologie

Nierenversorgung ohne Umwege

Berufsverband der Nephrolog:innen DN e.V.

14. Aug. 2026 · 3 Min. Lesezeit

Chronische Nierenkrankheiten bleiben oft lange unbemerkt. Ein neues Primärversorgungssystem könnte helfen, gefährdete Menschen früher zu erkennen. DGfN und DN fordern dafür regelmäßige Blut- und Urinuntersuchungen, klare Behandlungswege und einen schnellen Zugang zur nephrologischen Versorgung.
Gemeinsam nehmen DN und DGfN in einem Impulspapier zur möglichen Einführung eines Primärversorgungssystems in Deutschland Stellung. Darin wird betont, dass neben einer verbindlichen Integration der Früherkennung für chronische Nierenkrankheiten dringlich beachtet werden muss, dass keine neuen Behandlungshürden für die Versorgung dieser Menschen entstehen. Eine bessere Integration von Screening würde eine frühere Erkennung von Risikopatientinnen und Patienten ermöglichen und letztlich auch die Wirksamkeit therapeutischer Ansätze deutlich verstärken.
Mehr als 9 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen Nierenkrankheit (CKD). Vielfach unerkannt und symptomlos erreichen Menschen in Deutschland fortgeschrittene Stadien einer Nierenkrankheit, auch weil Früherkennungsuntersuchungen oftmals nicht ausreichend angeboten und genutzt werden. Am Ende resultiert eine große Zahl von schätzungsweise 100 000 Patientinnen und Patienten die eine Dialyse benötigen, wovon etwa 7.000 auf eine Spenderniere waren. „Ein leistungsfähiges Primärversorgungssystem kann entscheidend dazu beitragen, CKD früher zu erkennen und ihr Fortschreiten zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten“, sagt Professor Dr. med. Martin Kuhlmann, Präsident der DGfN und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Nephrologie am Vivantes Klinikum im Friedrichshain in Berlin. „Dies beinhaltet, dass Menschen mit erhöhtem Risiko verlässlich identifiziert und regelmäßig gescreent werden.“ Er fordert: „Eine klare Strategie muss Früherkennung und fachgerechte Versorgung zusammenführen.“

Früherkennung verbindlich verankern

Menschen mit Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ein erhöhtes CKD-Risiko und sollten jährlich untersucht werden. Dies erfolgt durch eine Blutuntersuchung zur Bestimmung der Nierenfunktion (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate, eGFR) und durch die Messung der Albuminausscheidung im Urin (UACR). „Diese beiden einfach zu bestimmenden Parameter müssen verbindlich in die Gesundheitsuntersuchungs-Richtlinie und die Anforderungen an Disease-Management-Programme des Gemeinsamen Bundesausschusses sowie in weitere Regelungen zur Primärversorgung aufgenommen werden“, so Kuhlmann.
Primärversorgende Gesundheitsberufe benötigten ausreichende Kompetenzen, um CKD sicher zu diagnostizieren, leitliniengerecht zu behandeln und insbesondere Betroffene rechtzeitig an Nephrologinnen und Nephrologen zu überweisen.

Zugang zur Nephrologie sichern

DGfN und DN fordern strukturierte, digital unterstützte Versorgungspfade zwischen hausärztlicher und nephrologischer Betreuung. Die Primärversorgung dürfe keine zusätzliche Zugangshürde darstellen. Für Menschen mit fortgeschrittener oder rasch fortschreitender Nierenkrankheit, akuter Verschlechterung der Nierenfunktion oder anderen schweren Befunden müsse ein direkter Zugang zur Nephrologie gewährleistet sein.
„Die Versorgung von Menschen mit sämtlichen Formen eines lebenserhaltenden Nierenersatzverfahrens muss, ebenso wie die Betreuung chronisch Nierenkranker mit schwerer Einschränkung der Organfunktion, strukturiert an die Expertise von Nephrologinnen und Nephrologen geknüpft bleiben“, so Dr. med. Michael Daschner, der Vorstandsvorsitzende des nephrologischen Berufsverbandes. „Hier sollte für diese Patienten auch die steuernde Funktion der ambulanten Versorgung zusammengeführt werden.“

Digitale und regionale Vernetzung ausbauen

Die Verbände sind sich einig, dass die elektronische Patientenakte, gemeinsame Medikationspläne und sichere Kommunikationswege flächendeckend genutzt werden müssten und deren Funktionalität für ein Gesundheitswesen der Zukunft hohe Priorität hat. Regionale Netzwerke und telemedizinische Angebote könnten den Zugang zu nephrologischer Expertise insbesondere im ländlichen Raum verbessern.

DIATRA-Einschätzung

Der Vorstoß greift besonders zwei wichtige Punkte auf: Nierenkrankheiten müssen früher erkannt werden und Betroffene bei Bedarf ohne Umwege eine fachärztliche Behandlung erhalten. Insbesondere Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten regelmäßig untersucht werden. Dafür genügen zunächst zwei einfache Werte: die Nierenfunktion im Blut (eGFR) und die Eiweißausscheidung im Urin (UACR). Entscheidend ist, dass ein neues Primärversorgungssystem die Wege für Patient:innen einfacher macht und nicht zu längeren Wartezeiten oder zusätzlichen Hürden führt. Bei einer fortgeschrittenen oder sich schnell verschlechternden Nierenkrankheit muss der direkte Zugang zur Nephrologie gesichert bleiben.

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Impulspapier (219 kB, PDF)