Organspende
Gesundheitsversorgung

Hausärzt:innen sprechen häufiger über Organspende

DIATRA-Redaktion

6. Nov. 2025 · 4 Min. Lesezeit

Neue Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit zeigt: Ärztliche Ansprache ist entscheidend für eine bewusste Entscheidung zur Organ- und Gewebespende
Immer mehr Hausärztinnen und Hausärzte sprechen das Thema Organ- und Gewebespende aktiv in ihren Praxen an – und stoßen dabei auf große Offenheit. Das geht aus einer aktuellen repräsentativen Befragung hervor, die das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, vormals BZgA) im Jahr 2024 durchgeführt hat. Befragt wurden 359 Hausärztinnen, Internist:innen und praktische Ärzt:innen zu ihren Erfahrungen, Einstellungen und ihrem Informationsbedarf rund um die Organ- und Gewebespende.

Gesetzliche Beratungspflicht wird umgesetzt

Seit Inkrafttreten des Gesetzes zur Stärkung der Entscheidungsbereitschaft bei der Organspende im März 2022 sind Hausärztinnen und Hausärzte verpflichtet, ihre Patient:innen regelmäßig über die Möglichkeit einer Organ- und Gewebespende zu informieren. 82 % der Befragten haben seitdem aktiv Informationsgespräche geführt – häufig im Rahmen von Gesundheits-Check-ups (69 %) oder bei der Erstellung von Patientenverfügungen (59 %).
Anmerkung der Redaktion: Die Studie zeigt, dass Hausärzt:innen das Beratungsgespräch in der Praxis umsetzen. Ob dies in allen Praxen regelmäßig oder eher anlassbezogen erfolgt, könnte ein Thema für weitere Beobachtungen sein.
„Hausärztinnen und Hausärzte sind zentrale Ansprechpersonen für ihre Patientinnen und Patienten. Sie schaffen den Rahmen für ein offenes, vertrauensvolles Gespräch über die Organspende – unabhängig davon, wie die Entscheidung am Ende ausfällt“, betont Studienleiterin Dr. Daniela Watzke vom BIÖG.

Patient:innen reagieren positiv – aber selten von sich aus

Laut den befragten Ärzt:innen zeigen Patient:innen überwiegend positive (61 %) oder neutrale (43 %) Reaktionen, wenn das Thema angesprochen wird. Nur 9 % reagierten ablehnend. Nur wenige Patient:innen bringen die Organspende selbst zur Sprache – sobald aber die Ärztin oder der Arzt das Thema aufgreift, sind viele offen für Information und Austausch. Besonders häufig treten zwei Fragen auf:
Gibt es eine Altersgrenze für eine Spende? (69 % der Gespräche)
Wird im Notfall trotzdem alles medizinisch Machbare getan, um das Leben zu retten? (60 %)
Anmerkung der Redaktion: Die Ergebnisse beruhen auf der Wahrnehmung der Ärzt:innen. Wie Patient:innen die Gespräche selbst erleben oder welche Informationen sie besonders hilfreich finden, könnte in künftigen Studien ergänzend untersucht werden.

Hohe Kompetenz und positive Haltung in der Ärzteschaft

Die überwiegende Mehrheit der Befragten (87 %) fühlt sich fachlich gut vorbereitet, um Patient:innen umfassend beraten zu können. 88 % stehen der Organ- und Gewebespende positiv gegenüber, 83 % haben bereits eine eigene Entscheidung getroffen – meist zugunsten einer Spende. Fast acht von zehn dieser Ärzt:innen planen, ihre Entscheidung künftig auch im Organspende-Register zu hinterlegen.
Anmerkung der Redaktion: Da die Befragung freiwillig war, könnten Teilnehmende mit besonders positiver Haltung etwas stärker vertreten sein. Dies ändert jedoch nichts an der klaren Tendenz zu einer offenen, positiven Einstellung gegenüber der Organspende in der Ärzteschaft.

Fortbildungswünsche und Informationsbedarf

Trotz des hohen Engagements wünschen sich viele Ärzt:innen weitere Informationen – vor allem zu medizinischen Fragen wie Kontraindikationen oder Vorerkrankungen, die einer Spende nicht entgegenstehen. Auch rechtliche Regelungen und die Nutzung des Organspende-Registers sind Themen, zu denen Fortbildungsinteresse besteht. 20 % der Befragten haben bereits an einer entsprechenden Schulung teilgenommen; 41 % möchten künftig eine Fortbildung absolvieren – bevorzugt digital.
Anmerkung der Redaktion: Das Interesse an Fortbildung zeigt, dass ergänzende Angebote dazu beitragen könnten, Ärzt:innen bei der Beratung weiter zu unterstützen.

Fazit: Ärztliche Ansprache macht den Unterschied

Das persönliche Gespräch in der Hausarztpraxis ist ein entscheidender Schlüssel, um die Entscheidungskultur zur Organ- und Gewebespende in Deutschland zu stärken. Patient:innen profitieren von vertrauensvollen Informationen – viele treffen ihre Entscheidung erst, wenn ihre Ärztin oder ihr Arzt das Thema anspricht. Damit leisten Hausärztinnen und Hausärzte einen wichtigen Beitrag zu einer bewussten, selbstbestimmten Entscheidung für oder gegen eine Spende.
Anmerkung der Redaktion: Ob die gestiegene Zahl der Informationsgespräche langfristig zu mehr dokumentierten Entscheidungen im Organspende-Register führt, könnte in einer Folgestudie überprüft werden.

Hintergrund

Die Befragung wurde im Auftrag des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG, ehemals BZgA) von der INFO GmbH im Zeitraum 29. Januar bis 3. März 2024 durchgeführt. Grundlage war eine repräsentative Zufallsstichprobe von Hausarztpraxen in Deutschland.

Weitere Informationen

Download Hausärzte-Befragung 2024 (5.1 MB, PDF)
Diese Meldung entstand mit Material des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG)