Candidozyma auris ist ein multiresistenter Hefepilz, der sich zunehmend in europäischen Krankenhäusern ausbreitet. Für die breite Bevölkerung besteht kein Grund zur Panik. Besonders immungeschwächte Patient:innen, Dialyse- oder Transplantationspatient:innen sollten jedoch aufmerksam bleiben. Mit gezielter Hygiene, Screening und Präventionsmaßnahmen können Infektionen wirksam verhindert werden. Fachkräfte im Gesundheitswesen und Behandlungsteams spielen dabei eine zentrale Rolle, sowohl bei der Prävention als auch bei der Versorgung von Risikogruppen.
Aktuelle Lage
Die neuesten Daten des European Centre for Disease Prevention and Control (Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten – ECDC) bestätigen, dass sich C. auris in europäischen Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen schnell ausbreitet. Zwischen 2013 und 2023 wurden in EU/EEA-Ländern über 4.000 Fälle von Kolonisation oder Infektion gemeldet, allein 2023 waren es 1.346 Fälle. Deutschland gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern, mit 77 dokumentierten Fällen im Jahr 2023. Seit Juli 2023 besteht für invasive Nachweise eine gesetzliche Meldepflicht. Die ECDC-Meldung vom September 2025 hebt hervor, dass die Ausbreitung in vielen Ländern zügig erfolgt und Lücken in Surveillance und Prävention bestehen. Frühzeitige Erkennung, konsequente Hygiene und koordinierte Infektionskontrolle sind entscheidend, um weitere Verbreitung zu verhindern.
Wer ist besonders gefährdet?
Patient:innen mit geschwächtem Immunsystem, chronischen Erkrankungen, Dialyse- oder Transplantationsstatus, intensivmedizinische Fälle sowie Bewohner:innen von Langzeitpflegeeinrichtungen haben ein erhöhtes Risiko für invasive Infektionen. Auch Personen mit invasiven oder schwer desinfizierbaren medizinischen Geräten, wie Kathetern, Beatmungsschläuchen oder Endoskopen, sind besonders gefährdet. Fachkräfte im Gesundheitswesen müssen diese Risikogruppen im Blick behalten und präventive Maßnahmen konsequent umsetzen.
Übertragungswege und Risiken
C. auris verbreitet sich hauptsächlich über direkten oder indirekten Kontakt. Direkter Hautkontakt zwischen Patient:innen oder Behandlungsteams, kontaminierte Oberflächen wie Betten, Türgriffe oder Waschbecken sowie invasive oder schwer desinfizierbare medizinische Geräte dienen als Hauptübertragungswege. Studien zeigen, dass der Pilz auf Oberflächen mehrere Wochen überleben kann. Viele Stämme sind multiresistent gegenüber Antimykotika, was eine Behandlung erschwert. Die Fähigkeit des Pilzes zur asymptomatischen Kolonisation verstärkt die Notwendigkeit sorgfältiger Hygiene, Screenings und Isolationsmaßnahmen.
Prävention und Kontrolle
Für medizinische Einrichtungen bleibt die frühzeitige Erkennung und Isolation betroffener Patient:innen zentral. Gründliche Desinfektion von Oberflächen und invasiven Geräten, standardisierte SOPs sowie Schulungen des Personals sind unerlässlich. Patient:innen können durch konsequente Händehygiene, sorgfältige Pflege von Zugängen, regelmäßige Reinigung häufig berührter Oberflächen und das Einholen von Informationen über Screening- und Isolationsmaßnahmen aktiv zur Prävention beitragen. Awareness ohne Panik ist der beste Ansatz, da invasive Infektionen ernst sein können, aber mit angemessener Behandlung beherrschbar sind.
Wissenschaftlich belegte Kernpunkte
Die aktuelle Evidenz (2023–2025) zeigt, dass C. auris vor allem für immungeschwächte Patient:innen gefährlich ist und über Hautkontakt, kontaminierte Oberflächen sowie invasive oder schwer desinfizierbare medizinische Geräte übertragen wird. Invasive Infektionen können schwer verlaufen; die 30-Tage-Mortalität beträgt rund 28,6 %. Multiresistenz und Umweltpersistenz unterstreichen die Bedeutung von Hygiene, Screening und Isolation. Für gesunde Personen ist das Risiko schwerer Infektionen sehr gering.
Fazit
Die aktuelle ECDC-Lageeinschätzung bestätigt, dass C. auris eine wachsende Herausforderung für das Gesundheitswesen darstellt, insbesondere für vulnerable Patient:innen. Eine Ausbreitung ist nicht unvermeidlich, wenn frühzeitig und konsequent gehandelt wird. Hygiene, sorgfältige Pflege von invasiven Geräten und gezielte Informationsweitergabe können Infektionen effektiv verhindern.
Alle Angaben basieren auf wissenschaftlichen Quellen und offiziellen Meldungen aus den Jahren 2024–2025.
Quellen
- European Centre for Disease Prevention and Control (Europäisches Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten – ECDC), 11. Sept. 2025: Drug‑resistant fungus Candidozyma auris confirmed to spread rapidly in European hospitals: ECDC calls for urgent action
- ECDC (2025): Survey on the epidemiological situation, laboratory capacity and preparedness for Candidozyma (Candida) auris, 2024
- NRZMyk / RKI (2024): Epidemiologisches Bulletin 18/2024: Zunahme von Candida auris in Deutschland
- Clinical Outcomes Amongst Patients Infected With Candida auris: A Single-Center Study (2025)
- Survival of Candida auris on environmental surface materials and low-level resistance to disinfectant (2023)