Organspende

DSO: Organspende - Höchststand, aber...

DIATRA-Redaktion

13. Jan. 2026 · 3 Min. Lesezeit

Die Organspende in Deutschland hat 2025 einen neuen Höchstwert seit mehr als zehn Jahren erreicht. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) spendeten 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe. Das entspricht 11,8 Organspendenden pro Million Einwohner:innen und einem moderaten Anstieg von 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Trotz dieser positiven Entwicklung übersteigt der Bedarf an Spenderorganen weiterhin deutlich das vorhandene Angebot.

Mehr vermittelte Organe, viele Wartende

Über die Vermittlungsstelle Eurotransplant konnten im vergangenen Jahr 3.020 Organe erfolgreich zugeteilt und transplantiert werden (rund sechs Prozent mehr als 2024). Den größten Anteil stellten Nieren und Lebern, gefolgt von Herzen, Lungen und Bauchspeicheldrüsen. In den 43 deutschen Transplantationszentren wurden insgesamt 3.256 Organe transplantiert, darunter auch Organe aus dem Eurotransplant-Verbund (Deutschland, Österreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Kroatien, Ungarn, Slowenien). Bundesweit profitierten davon 3.150 schwer erkrankte Patient:innen. Dennoch warteten zum Jahresende weiterhin 8.199 Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan.

Region Ost als positives Beispiel

Deutlich zeigen sich nach wie vor regionale Unterschiede. Besonders in der DSO-Region Ost (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen) liegen die Organspendezahlen seit Jahren über dem Bundesdurchschnitt. 2025 wurden dort 16,3 Organspendende pro Million Einwohner:innen registriert, rund 38 Prozent mehr als im bundesweiten Mittel. „Wenn bundesweit so viele Organspenden realisiert würden wie in dieser Region, wäre die Situation für wartende Patientinnen und Patienten spürbar besser“, so Rahmel.
Gleichzeitig bleibt das ungenutzte Spendenpotenzial hoch. Zwar meldeten Krankenhäuser 2025 insgesamt 3.524 mögliche Organspendesituationen an die DSO, doch rund zwei Drittel führten nicht zu einer tatsächlichen Spende. In etwa der Hälfte dieser Fälle fehlte eine Zustimmung zur Organspende – und dies meist, weil keine Entscheidung der verstorbenen Person dokumentiert war.

Entscheidung zu Lebzeiten entlastet Angehörige

Die DSO begrüßt daher die erneut aufgekommene politische Debatte über eine mögliche Einführung der Widerspruchsregelung. Diese könne dazu beitragen, die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende zu stärken und Angehörige in Ausnahmesituationen zu entlasten. Internationale Erfahrungen zeigten, dass solche Regelungen zwar keine sofortigen Sprünge bei den Spenderzahlen bewirkten, langfristig jedoch eine positive Wirkung auf die Organspendekultur haben könnten.
Zugleich betont die DSO, dass auch ein hohes Lebensalter einer Organspende nicht grundsätzlich entgegensteht. Entscheidend sei nicht das Alter, sondern der Zustand der Organe. „Auch im hohen Lebensalter ist eine Organspende möglich“, so Rahmel. Die älteste Organspenderin in Deutschland war 98 Jahre alt. Mit steigendem Spenderalter nehme jedoch die Zahl der transplantierbaren Organe pro Spender:in ab.

Maschinenperfusion soll mehr Organe nutzbar machen

Vor allem bei Nierentransplantationen setzt die DSO künftig auf technische Fortschritte. Die sogenannte Maschinenperfusion ermöglicht es, Spendernieren außerhalb des Körpers kontinuierlich zu durchspülen und ihre Funktion vor der Transplantation besser einzuschätzen. Ab dem 19. Januar 2026 ist dieses Verfahren in Deutschland bei Nieren mit erweiterten Spenderkriterien grundsätzlich vorgesehen. Ziel ist es, mehr Organe erfolgreich transplantieren und die Ergebnisse weiter verbessern zu können.
Trotz der positiven Entwicklungen bleibt der Handlungsdruck hoch. Viele Patient:innen warten weiterhin gemeinsam mit ihren Familien auf ein passendes Spenderorgan. „Daher dürfen wir in unseren gemeinsamen gesellschaftlichen und medizinischen Anstrengungen zur Verbesserung der Situation der Organspende nicht nachlassen“, betont Rahmel.

Einordnung

Der leichte Anstieg der Organspenden 2025 ist sicherlich ein positives Signal, er bleibt jedoch beim grundsätzlichen Missverhältnis zwischen Bedarf und Verfügbarkeit. Tausende Menschen warten weiter auf ein Organ, während ein erheblicher Teil des Spendenpotenzials ungenutzt bleibt – oft, weil keine Entscheidung dokumentiert ist. Die regionalen Unterschiede bei den Spendezahlen belegen, dass bessere Ergebnisse möglich sind. Technische Innovationen wie die Maschinenperfusion können dazu beitragen, mehr Organe zu transplantieren, ersetzen jedoch keine klaren politischen Rahmenbedingungen und keine persönliche Haltung zur Organspende. 

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