Am 5. März erklärten im Bozner Rathaus in Südtirol der Bürgermeister Claudio Corrarati und der stellvertretende Landeshauptmann Marco Galateo formell ihre Zustimmung zur Organspende, indem sie der AIDO (Associazione Italiana per la Donazione di Organi, Tessuti e Cellule - Italienische Vereinigung für die Spende von Organen, Geweben und Zellen) beitraten. Anwesend waren u.a. Vertreter der AIDO, darunter der lokale AIDO-Präsident Mauro Bonetto.
Bürgermeister Corrarati bezeichnete den Zeitpunkt für den Beitritt als bewusst gewählt: Bozen steht nach dem Fall des kleinen Domenico im Scheinwerferlicht der Berichterstattung. Die Willenserklärung zur Organspende solle deshalb nicht nur symbolisch wirken, sondern das Thema wieder an den Kern führen – an Information und Entscheidungsklarheit.
Der stellvertretende Landeshauptmann Galateo setzte den Akzent auf Reichweite: Wenn Familien erreicht werden sollen, führt ein wichtiger Weg über die Schulen. Die AIDO soll dort stärker präsent sein, unter anderem bei einer Schuljahresabschlussveranstaltung mit vielen Angehörigen.
Der Fall Domenico
Hintergrund ist der Fall des kleinen Domenico in Neapel: Trotz der Transplantation ist der Junge mittlerweile gestorben. Der Fall ging durch die Medien – nicht nur wegen der Tragik eines schwer herzkranken Kindes, sondern wegen der Frage, was mit dem Spenderherz passiert ist, bevor es überhaupt im Operationssaal ankam.
Nach derzeit bekanntem Stand geht es um Probleme in der Kühlkette bzw. Transportlogistik: So sei das Spenderherz mit Trockeneis gekühlt worden – also mit Temperaturen, die für Organtransporte dieser Art nicht vorgesehen sind (Trockeneis liegt in der Größenordnung um minus 78 Grad Celsius). Das wäre eine Kühlung „unter Null“ – und damit nicht mehr bloß konservierend, sondern potenziell zerstörend. Berichten zufolge sei das Organ beim Öffnen des Transportbehälters stark vereist gewesen.
Der Fall ist nicht „fertig erzählt“. Es laufen Ermittlungen und öffentliche Auseinandersetzungen darüber, wo der entscheidende Fehler passiert ist und wer wofür verantwortlich war. In den Berichten tauchen dabei auch Südtirol/Bozen als Entnahme- bzw. Übergabeort auf; ermittelt wird laut Medien sowohl in Neapel als auch in Bozen.
Aufmerksamkeit nutzen für Anteilnahme, aber auch Aufklärung
Der Reflex nach solchen Nachrichten ist nachvollziehbar: Viele fragen sich, ob Organspende „zu riskant“ ist – oder ob man dem System noch trauen kann. Der Fall Domenico zeigt vor allem, wie Organspende in der Praxis funktioniert: nicht als einzelne Handlung, sondern als Kette.
Diese Kette reicht von der Entnahme über Dokumentation, Temperaturführung und Transport bis zur Transplantation. Wenn an einer Stelle etwas nicht stimmt, kann das reichen, um ein Organ unbrauchbar, also nicht transplantabel zu machen. Genau deshalb sind die Fragen, die jetzt geprüft werden, keine Nebensache, sondern betreffen die Patientensicherheit im Kern.
Vor diesem Hintergrund bekommt der Schritt im Bozner Rathaus eine zusätzliche Bedeutung: Er ist einerseits ein grundsätzliches Bekenntnis zur Organspende – andererseits auch eine Aussage darüber, wie man auf einen tragischen, öffentlich diskutierten Fall reagieren will. Corrarati sprach von Nähe zu Betroffenen und betonte zugleich die Arbeit der vielen Berufsgruppen, die in diesem hochsensiblen Bereich beteiligt sind – von der Medizin bis zur Logistik. Außerdem verwies er darauf, dass weiterhin vergleichsweise wenige Bürger:innen eine klare Willenserklärung abgegeben haben. Daher brauche es gemeinsame Anstrengungen, Information und Entscheidungskultur weiter zu stärken.
Der Fall Domenico bleibt eine Tragödie – daran lässt sich nichts relativieren. Und doch kann die öffentliche Aufmerksamkeit dazu beitragen, dass mehr Menschen verstehen, wie Organspende tatsächlich abläuft und wie entscheidend verlässliche Verfahren sind. Vielleicht führt das auch dazu, dass mehr Menschen ihre eigene Entscheidung bewusst festhalten, statt sie auf später zu verschieben. Denn Organspende ist am Ende beides: ein zutiefst menschliches Thema – und ein Bereich, in dem Präzision und Verantwortung untrennbar zusammengehören.
(Mit Material der Stadtgemeinde Bozen)