Forschung

Mist, keine Ausrede mehr...

DIATRA-Redaktion

17. März 2026 · 2 Min. Lesezeit

„Ach, die Frühjahrsmüdigkeit wieder“ war bisher die eleganteste Saison-Ausrede überhaupt. Leider funkt uns jetzt die Forschung dazwischen: Eine Studie aus Basel und Bern legt nahe, dass Frühlingsmüdigkeit womöglich eher ein kulturelles Etikett ist als ein biologisch messbares Phänomen.
Schlechte Nachrichten für alle, die sich im März gern mit einem „Ich bin total frühjahrsmüde“ aus der Affäre ziehen: Ganz so belastbar ist diese Ausrede offenbar nämlich nicht.
Forschende am Zentrum für Chronobiologie der Universität Basel, der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel sowie des Inselspitals in Bern haben das Phänomen untersucht. Ihr Ergebnis: Menschen sind im Frühling offenbar nicht müder als in anderen Jahreszeiten. Frühjahrsmüdigkeit scheint demnach eher ein kulturelles als ein klar biologisch messbares Phänomen zu sein.
Grundlage war eine Online-Befragung über ein Jahr hinweg: Ab April 2024 wurden die Teilnehmenden alle sechs Wochen kontaktiert, ausgewertet wurden die Antworten von 418 Personen. Erfasst wurden Erschöpfung, Tagesschläfrigkeit und Schlafqualität – also nicht nur ein diffuses „Ich fühl mich heute matschig“, sondern mehrere relevante Faktoren.
Der interessante Punkt: Das Gefühl ist natürlich trotzdem real. Nur ist es womöglich eher ein Effekt aus Erwartung, Wahrnehmung und sozial akzeptierter Selbstbeschreibung. Der Frühling hat schließlich ein PR-Problem: Alles soll plötzlich leicht, aktiv und motiviert wirken. Wenn man da selbst noch im Energiesparmodus hängt, klingt „Frühjahrsmüdigkeit“ deutlich charmanter als jede andere Ausrede.
Noch unbequemer wird es, wenn man sich die Logik der Chronobiologie anschaut: Mehr Tageslicht hilft der inneren Uhr eher, als dass es sie sabotiert. Die Forschenden verweisen deshalb auch auf ziemlich unromantische, aber plausible Klassiker: Tageslicht, Bewegung und ausreichend Schlaf.
Heißt also: Müdigkeit gibt es, keine Frage. Aber der Frühling ist nicht unbedingt der Täter.

Publikationen

  • No Evidence for Seasonal Variations in Fatigue, Sleepiness and Insomnia Symptoms: Spring Fatigue Is a Cultural Phenomenon Rather Than a Seasonal Syndrome