Keine Ergebnisse

Gesundheitspolitik

#WirHelfenIhrKürzt: Protest gegen Honorarkürzungen

DIATRA-Redaktion

27. März 2026 · 3 Min. Lesezeit

Die geplante Kürzung der Honorare für ambulante Psychotherapie um 4,5 Prozent zum 1. April 2026, sorgt bundesweit für massive Kritik und Proteste. Psychotherapeut:innen warnen vor gravierenden Folgen für die Versorgung psychisch erkrankter Menschen – insbesondere für Kassenpatient:innen. Unsere Redaktion sprach mit einigen von dieser Reform betroffenen Fachkräften.

Kontext

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat auf Initiative der gesetzlichen Krankenkassen beschlossen, die Vergütung psychotherapeutischer Leistungen ab dem 1. April 2026 zu senken. Begründet wurde dieser Beschluss damit, dass die Honorare zuletzt überdurchschnittlich gestiegen seien und nun angepasst werden müssten. Fachverbände und Interessenvertretungen widersprechen dem deutlich. Niedergelassene Psychotherapeut:innen stehen im Vergleich zu anderen Fachärzt:innen weiterhin am unteren Ende der Einkommensskala.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) kündigte am 18. März 2026 bereits eine Klage gegen die Honorarkürzung an. „Diese fatale Entscheidung geht zulasten psychisch kranker Menschen und benachteiligt die Psychotherapeuten massiv.“, so Andreas Gassen von der KBV.

Breiter gesellschaftlicher Protest

Unter dem Motto #WirHelfenIhrKürzt ruft die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) zu bundesweiten Demonstrationen auf. In zahlreichen Städten – darunter Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen und diesen Donnerstag, den 26. März 2026 auch Mainz – gehen Therapeut:innen auf die Straße. 
Bei der Demonstration auf dem Mainzer Bahnhofsvorplatz versammelten sich am Donnerstagnachmittag rund 300 Teilnehmer. Ihre Unzufriedenheit war durch deutlich spürbar. "Wir sind wütend, dass in einem Beruf, der so systemtragend ist, Einsparungen passieren. Psychische Gesundheit ist unverzichtbar. Unsere Arbeit ist unverzichtbar. Wir - Gemeinsam - gegen diese Kürzung!“, so lauteten manche Stimmen der Demonstrant:innen.
Unterstützung kam auch aus der Kommunalpolitik: Die Mainzer Gesundheitsdezernentin Jana Schmöller (SPD) betonte, dass eine nachhaltige Gesundheitspolitik den steigenden Bedarf an Therapeutinnen und Therapeuten anerkennen und die Rahmenbedingungen verbessern müsse statt diese zu verschlechtern.
Kritische Stimmen, wie Katharina Epstein, Landessprecherin der Psychotherapeuten in Ausbildung, befürchten, dass der Beruf durch die Honorarkürzung unattraktiver wird. "Der Schlüssel, der für die Vollversorgung einer Praxis angelegt wird, übersteigt jetzt schon das Maß, was man als einzelner Mensch leisten kann", so Epstein. "Am Ende des Monats müssen sie ihre Kosten decken können.“ Sinkende Einnahmen könnten dazu führen, dass die Psychotherapeuten künftig mehr Privatpatient:innen aufnehmen und Kassenpatient:innen noch schwerer Therapieplätze finden.

Auswirkungen auf Patient:innen

Schon jetzt ist die Versorgungslage angespannt:
  • Die Durchschnittliche Wartezeit auf ein psychotherapeutisches Erstgespräch beträgt etwa fünf Monate
  • Bundesweit fehlen schätzungsweise 7.000 Kassensitze
  • In vielen Praxen ist keine Aufnahme neuer Patient:innen möglich
Die Honorarkürzung könnte diese Situation weiter verschärfen. Bereits heute besteht eine deutliche finanzielle Ungleichheit in der Höhe des Honorars für die Abrechnung zwischen privat und gesetzlich Versicherten. Während für eine Therapiestunde mit einem Privatpatienten 167,58 Euro abgerechnet werden kann, sind es bei Kassenpatienten derzeit 119,89 Euro. Und ab April geht die Schere noch weiter auseinander.
Zusätzlich zu den bundesweiten Demonstrationen, startete die Psychotherapeutin Johanna Jung eine Petition, die die Rücknahme der Honorarkürzungen fordert. Diese wurde mittlerweile rund 510.000 Mal unterzeichnet. (Stand 27.03.2026).
Diese Petition richtet sich unter anderem an das Bundesgesundheitsministerium, welches grundsätzlich die Möglichkeit hätte, in die Entscheidung einzugreifen. Ob dies geschieht, ist derzeit noch unklar.
Hier geht es zur Petition: https://c.org/tRpCnPGyR7

Fazit

Psychotherapeut:innen warnen: Die geplanten Kürzungen treffen nicht nur die Berufsgruppe selbst, sondern vor allem die Patient:innen. In einer bereits angespannten Versorgungslage, droht eine weitere Verschlechterung der psychotherapeutischen Betreuung in Deutschland.
Demonstration #WirHelfenIhrKürzt ruft die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) am 26. März 2026 in Mainz (Foto: Theresa Stettner)
Demonstration #WirHelfenIhrKürzt ruft die Deutsche Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV) am 26. März 2026 in Mainz (Foto: Theresa Stettner)