Diabetes betrifft nicht nur den Blutzucker. Viele Menschen mit Typ-2-Diabetes haben auch ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzschwäche. Ein neuer Forschungsverbund untersucht, warum Stoffwechsel, Gefäße und Herz so eng miteinander verbunden sind – und was das langfristig für die Behandlung bedeuten kann.
Wer an Typ-2-Diabetes denkt, denkt meist zuerst an Blutzuckerwerte, Ernährung, Bewegung oder Medikamente. Doch die Erkrankung betrifft nicht nur den Stoffwechsel. Sie kann auch Herz und Gefäße belasten – oft lange, bevor Beschwerden auftreten.
Menschen mit Typ-2-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Durchblutungsstörungen oder Herzschwäche. Das liegt nicht an einem einzelnen Faktor. Vielmehr greifen mehrere Prozesse ineinander: erhöhte Blutzuckerwerte, Insulinresistenz, Veränderungen im Fettstoffwechsel, Entzündungsreaktionen und Schäden an den Gefäßen. Was im Körper genau passiert, ist noch nicht vollständig verstanden.
Genau hier setzt ein neuer Forschungsverbund an, der künftig von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird. Unter dem Namen „CARDIO-DIABETES-CROSSTALK“ untersuchen Forschende in Düsseldorf und an weiteren Standorten, wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen biologisch zusammenhängen. Beteiligt sind unter anderem die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, das Universitätsklinikum Düsseldorf und das Deutsche Diabetes-Zentrum (DDZ).
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Organe, Gewebe und Zellen miteinander kommunizieren, wenn der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät. Denn Diabetes ist keine Erkrankung, die sich auf einen Laborwert reduzieren lässt. Veränderungen im Zucker- und Fettstoffwechsel können Gefäße, Herzmuskel, Immunsystem und Nieren betreffen. Umgekehrt können Entzündungen oder Gefäßschäden den Krankheitsverlauf weiter verschlechtern.
Für Patient:innen ändert sich durch ein solches Forschungsprojekt nicht von heute auf morgen die Behandlung. Trotzdem ist die Arbeit wichtig. Je besser verstanden wird, warum Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Diabetes so häufig auftreten, desto gezielter lassen sich Risiken künftig erkennen und behandeln.
In der Diabetesversorgung zeigt sich schon heute, wie wichtig dieser Blick über den Blutzucker hinaus ist. Behandelnde achten nicht nur auf HbA1c-Werte, sondern auch auf Blutdruck, Blutfette, Nierenfunktion, Gewicht, Bewegung, Rauchstatus und bestehende Herz-Kreislauf-Risiken. Der neue Forschungsverbund knüpft genau an dieser Stelle an: Er will besser verstehen, was Diabetes im Körper miteinander verbindet – und wo sich Erkrankungsprozesse möglicherweise früher stoppen lassen.
Am Ende geht es um eine Frage, die für viele Betroffene sehr konkret ist: Wie lassen sich schwere Folgeerkrankungen vermeiden? Forschung wie diese liefert darauf nicht sofort einfache Antworten. Aber sie schafft die Grundlage dafür, Diabetes künftig noch genauer, früher und umfassender zu behandeln.
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