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Nephrologie

Ein Verbund gegen die „stumme Epidemie“

Köln, Aachen und Düsseldorf bündeln ihre Expertise in Forschung, Versorgung und Innovation zur Behandlung chronischer Nierenerkrankungen

Nadine Tokarczyk

6. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit

Mit dem neu gegründeten Center of Excellence in Nephrology (CEN) bündeln die Universitätsklinika Köln, Aachen und Düsseldorf ihre Expertise in Forschung, Versorgung und Innovation zur Behandlung chronischer Nierenerkrankungen.

Volkskrankheit mit hoher Dunkelziffer

Laut der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) sind mehr als neun Millionen Menschen in Deutschland von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen. Die Erkrankung bleibt häufig lange unentdeckt, geht jedoch mit einem deutlich erhöhten Risiko für lebensbedrohliche Herz-Kreislauf-Erkran­kun­gen einher und führt im Verlauf häufig zur Dialysepflichtigkeit. Rund 7.000 Patientinnen und Patienten warten derzeit auf eine Spenderniere. Expertinnen und Experten sprechen daher von einer „stummen Epidemie“.
Das CEN soll die vorhandene Expertise der drei Standorte bündeln, die Zusammenarbeit intensivieren und wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die klinische Versorgung überführen. Patientinnen und Patienten bleiben dabei an ihren jeweiligen Standorten angebunden, profitieren jedoch von der gemeinsamen Daten- und Studienstruktur des Verbunds.

Stimmen aus dem Verbund

„Nierenerkrankungen sind auf dem Weg, eine der häufigsten Todesursachen weltweit zu werden. Wir verzeichnen eine stumme Epidemie“, sagt Prof. Dr. Thomas Benzing, Direktor der Klinik II für Innere Medizin der Uniklinik Köln. Ein Verbund wie das CEN könne für mehr Sichtbarkeit sorgen und gleichzeitig mit gemeinschaftlicher Forschung zu einer Verbesserung der Prävention und der Therapie beitragen. Wünschenswert seien zum Beispiel Screening-Programme, um Patientinnen und Patienten in möglichst frühen Krankheitsstadien einer Behandlung zuführen zu können.
Auch Prof. Dr. Dr. Rafael Kramann, Direktor der Medizinischen Klinik II der Uniklinik RWTH Aachen, betont die Bedeutung der Zusammenarbeit: „Das Feld, das wir gemeinsam bearbeiten, ist sehr komplex. Im Team, also im Verbund, können wir deutlich erfolgreicher sein.“
Für Prof. Dr. Roman-Ulrich Müller, Direktor der Klinik für Nephrologie der Uniklinik Düsseldorf, eröffnet das CEN neue Perspektiven für Forschung und Versorgung. „Und im Falle fehlender wirksamer Therapieoptionen möchten wir für jede und jeden Erkrankten eine passende klinische Studie zu innovativen Behandlungsformen finden. Die Betroffenen profitieren dann von der gemeinsamen Studienzentrale.“

Über das CEN

Die chronische Nierenerkrankung zählt zu den Volkskrankheiten mit zunehmender Bedeutung im demografischen Wandel. Sie ist häufig mit Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems verbunden und kann bis zur Dialysepflichtigkeit führen.
Das CEN wurde am 23. Juni 2026 im Beisein von NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes feierlich eröffnet. Damit entsteht in Nordrhein-Westfalen ein neuer Leuchtturm der Hochschulmedizin in der nephrologischen Spitzenforschung. Nordrhein-Westfalen verfügt damit über eine international sichtbare Exzellenzstruktur mit Modellcharakter für diesen Bereich.
Das CEN vereint die nephrologische Expertise der Universitätskliniken Köln, Aachen und Düsseldorf. Im Mittelpunkt steht die Nephrologie, also die Nierenheilkunde, von molekulare Krankheitsmechanismen über Präzisionsmedizin und translationale Forschung bis hin zu innovativen Studienplattformen und datenbasierten Versorgungsstrukturen.
Darüber hinaus stärkt der Verbund die koordinierte Versorgung insbesondere bei seltenen Nierenerkrankungen und unterstützt die Weiterentwicklung der Nierentransplantation an den beteiligten Standorten.
Durch die Verbindung von Nephrologie, Transplantationsmedizin und Altersmedizin entsteht eine zukunftsweisende Struktur für die Medizin des demografischen Wandels. Gleichzeitig trägt das CEN zur Stärkung kooperativer Hochschulmedizin und datenbasierter Versorgungsstrukturen in Nordrhein-Westfalen bei.