1986 begann der DIATRA-Verlag mit einem klaren Anspruch: medizinisches Wissen so zu vermitteln, dass es Menschen erreicht. Seit 1991 setzen wir diesen Anspruch als Zeitschrift für Betroffene, Angehörige und Fachleute um. Zum Jubiläum blicken wir zurück und fragen, was als Nächstes kommt.
Bei Jubiläen geht es zunächst um Zahlen: 40 Jahre Verlag, 35 Jahre DIATRA, fünf Jahre gemeinnützig. Das ist ein Anlass, kurz zurückzublicken. Eine Chronologie allein erklärt aber nicht, warum eine Zeitschrift so lange besteht. Entscheidend ist, was zwischen den Jahreszahlen geschehen ist – und was trotz aller Veränderungen gleich geblieben ist.
DIATRA entstand aus einer klaren Überzeugung: Medizinisches Wissen muss verständlich sein und die Erfahrungen der Menschen einbeziehen, deren Leben es betrifft. Daran orientiert sich DIATRA seit 35 Jahren.
Wie DIATRA entstand
Ausgangspunkt für die Geschichte des DIATRA-Verlags war eine persönliche Erfahrung: Gerhard Stroh erhielt 1981 eine Spenderniere. Nach der Transplantation wollte er anderen chronisch kranken Menschen Orientierung geben und sich für die Organspende einsetzen. 1986 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Edith den DIATRA-Verlag, um allgemeinverständliche Informationen für Patient:innen herauszugeben.
1991 baten viele Leser:innen darum, die Berichterstattung über Dialyse, Organspende und Transplantation fortzuführen. Daraufhin entstand im dritten Quartal das „Diatra-Journal“.
Das zeigt, wie DIATRA von Anfang an gearbeitet hat: nicht für eine abstrakte Zielgruppe, sondern im Gespräch mit den Menschen, die diese Informationen brauchen.

Die erste DIATRA: Ausgabe 3-1991
Auf Augenhöhe – von Anfang an
Der Kreis der Leser:innen ist seitdem größer geworden. Heute richtet sich DIATRA an Ärzt:innen, Pflegefachpersonen und weitere Berufsgruppen im Gesundheitswesen, an chronisch erkrankte Menschen, Angehörige, Selbsthilfe, Verbände und viele weitere Interessierte. Ihnen allen wollen wir verlässliche Informationen bieten: klar und verständlich, ohne dass wesentliche Zusammenhänge verloren gehen.
Auf Augenhöhe zu publizieren heißt nicht, medizinische Komplexität glattzubügeln. Fachwissen muss so übersetzt werden, dass Zusammenhänge sichtbar werden. Dazu gehört, Erfahrungswissen ernst zu nehmen, ohne wissenschaftliche Maßstäbe aufzugeben. Eine Leitlinie kann sagen, was empfohlen wird. Ein Laborwert kann zeigen, was messbar ist. Aber erst die Erfahrung eines Menschen macht deutlich, wie Therapie, Arbeit, Familie, Angst, Hoffnung und Alltagsbewältigung tatsächlich zusammenkommen.
DIATRA verbindet diese Ebenen. Nicht auf jede Frage gibt es eine eindeutige Antwort. Deshalb fragen wir nach, berücksichtigen andere Sichtweisen und korrigieren uns, wenn neue Erkenntnisse es nötig machen.
Unabhängig heißt nicht: ohne Haltung
Unabhängigkeit bedeutet nicht Gleichgültigkeit. Eine Fachzeitschrift muss auswählen, prüfen, gewichten und einordnen. Entscheidend ist, dass sie nachvollziehbar arbeitet: Quellen offenlegt, Interessen erkennt, Unsicherheiten benennt und Kritik auch dort zulässt, wo sie unbequem wird.
Unsere Haltung ist klar: Medizin darf Menschen nicht auf Diagnosen reduzieren. Versorgung muss die Lebenswirklichkeit berücksichtigen. In Debatten über Organ- und Gewebespende, Transplantation, Nephrologie und Diabetologie dürfen Betroffene nicht nur Gegenstand, sondern müssen Beteiligte sein. Dazu gehört eine Sprache, die verständlich ist, ohne banal zu werden.
DIATRA bleibt neugierig und kritisch – auch dort, wo Fragen unbequem werden. Nicht alles, was neu ist, ist automatisch besser. Wir fragen: Was verändert sich im Alltag? Wem nützt es? Welche Belastungen entstehen? Und welche Stimmen fehlen in der Debatte?
Print, digital und DIATRA.de
Seit der ersten Ausgabe von 1991 haben sich Medizin und Medien tiefgreifend verändert. Das Wissen wächst schneller, die Fachgebiete überschneiden sich stärker. Gleichzeitig ist es in einem Zeitalter der Informationsflut schwieriger geworden, Verlässliches von Verkürztem, Werbung von Einordnung und Gewissheit von bloßer Behauptung zu unterscheiden.
Auch DIATRA hat sich verändert: 2015 bekam das „Diatra-Journal“ ein neues Layout und den kürzeren Namen „DIATRA“. 2016 erschien die erste Ausgabe des eJournals „DIATRA professional“. 2020 übergab Verlagsgründer Gerhard Stroh die Verantwortung an Dennis M Stamm.
Mit unserer Website DIATRA.de ist ein weiterer Teil unserer redaktionellen Arbeit hinzugekommen. Dort können wir aktuelle Entwicklungen zwischen den Printausgaben aufgreifen, Nachrichten und Termine veröffentlichen und neue medizinische Erkenntnisse zeitnah einordnen. Regelmäßig aktualisierte Zahlen zu Organspende, Wartelisten und Transplantationen gehören ebenso dazu wie Beiträge aus Nephrologie, Diabetologie und weiteren Themenbereichen, begleitet von persönlichen Erfahrungen Betroffener und Angehöriger.
Print und Website haben dabei unterschiedliche Aufgaben. Die gedruckte DIATRA bündelt und vertieft Themen und bietet Raum für konzentriertes Lesen. Das Newsportal DIATRA.de kann schneller auf neue Entwicklungen reagieren, Informationen aktualisieren und weiterführende Inhalte bereitstellen. Der Newsletter und die sozialen Medien weisen auf neue Beiträge hin und führen die verschiedenen Angebote zusammen.
Ob gedruckte Zeitschrift, DIATRA.de oder Social Media: Für alle Formate gelten dieselben redaktionellen Maßstäbe. Informationen werden geprüft, verständlich aufbereitet und in einen Zusammenhang gestellt.
Gemeinnützigkeit
Seit 2021 ist der DIATRA-Verlag als gemeinnützig anerkannt. Diese Anerkennung setzt die bisherige Arbeit fort. Der Verlag ist aus Gerhard Strohs persönlicher Erfahrung, seinem Engagement für die Selbsthilfe und seinem unermüdlichen Einsatz für die Organspende hervorgegangen. Als gemeinnützige gGmbH ist dieser Auftrag nun auch verbindlich festgeschrieben. Verlässliche Gesundheitsinformationen sollen alle erreichen – unabhängig davon, wie viel Vorwissen, Zeit oder Zugangsmöglichkeiten jemand hat.
Gerade bei chronischen Erkrankungen ist Information Teil der Versorgung. Wer versteht, kann gezielter fragen und den eigenen Alltag selbstbestimmter gestalten. Gute Kommunikation ersetzt keine ärztliche Beratung. Sie kann aber dazu beitragen, dass Beratung gelingt und Menschen sich in einem komplexen System weniger ausgeliefert und mehr gesehen fühlen.
DIATRA spricht Fachleute und Betroffene deshalb nicht getrennt voneinander an. Gemeinsames Wissen schafft eine bessere Grundlage für Gespräche.
0 Gründe, leiser zu werden
35 Jahre DIATRA bedeuten nicht, dass immer alles richtig war. Sie zeigen, dass es sich lohnt, dranzubleiben. Themen, Wissen, Sprache und Formate verändern sich – und damit auch unser Blick.
Unsere Aufgabe bleibt: weiter fragen, erklären und zuhören. Wir sehen genauer hin, wenn Routinen wichtige Fragen überdecken, und werden deutlich, wenn Erfahrungen überhört werden. Unsere Leser:innen können erwarten, dass wir fundiert, verständlich und klar arbeiten, die Menschen im Blick behalten und uns selbst ebenso kritisch prüfen wie andere.