Diese Ausgabe ist kein Themenheft und dennoch hängt vieles darin miteinander zusammen.
Wir beginnen mit einer grundlegenden Frage: Wie gehen Politik und Gesellschaft mit Menschen um, die krank, verletzlich oder auf die Hilfe anderer angewiesen sind? Das Editorial setzt den Rahmen: Ein Mensch auf der Warteliste ist kein Kostenfaktor. Ein Spenderorgan ist kein Ersatzteil. Und gute Versorgung zeigt sich nicht allein an Laborwerten.
Die Politik schafft die Voraussetzungen dafür, dass Organ- und Gewebespende funktionieren kann: durch klare Zuständigkeiten, eine gute Spendererkennung, qualifizierte Angehörigengespräche und ein Register, das im entscheidenden Moment verlässlich erreichbar ist.
Deshalb wird diese Ausgabe an alle Abgeordneten des Deutschen Bundestags verteilt. Sie sollen erfahren, dass es bei Gesundheits- und Sozialpolitik um weitaus mehr geht als um Zahlen, Budgets und Kostenfaktoren. Im Mittelpunkt stehen Menschen mit chronischen Erkrankungen, Menschen auf der Warteliste und alle, die mit Organspende und Transplantation zu tun haben – Betroffene, Angehörige, Spender:innen und Behandelnde.
Der Blick weitet sich auf die Überkreuzlebendspende, das Organspende-Register und die DCD-Spende. Wir porträtieren die Schweiz und zeigen, welche Strukturen eine Organspende tatsächlich möglich machen. PD Dr. Franz Immer, CEO und Medical Director von Swisstransplant, spricht über professionelle Abläufe, Verantwortung und darüber, warum Würde und Menschlichkeit dabei nicht zur Nebensache werden dürfen.
Im Faktencheck zur Bundestagsdebatte vom 25. Juni 2026 prüfen wir, was an den vorgetragenen Zahlen, medizinischen Argumenten und politischen Behauptungen zur Widerspruchsregelung stimmt. Wenn im Bundestag über Leben, Tod und Organspende gesprochen wird, müssen die Fakten stimmen. Wir räumen mit alten, überkommenen und schlicht falschen Vorstellungen auf – etwa zur Hirntoddiagnostik, zur Organentnahme, zum Organspende-Register und zur angeblichen automatischen Registrierung als Spender:in. Wir zeigen, warum die Zahl der Menschen auf der Warteliste den tatsächlichen Bedarf nur teilweise abbildet, was der später eingebrachte Gesetzentwurf vorsieht und weshalb die Widerspruchsregelung nur ein Baustein in einem größeren System sein kann – neben Spendererkennung, qualifiziertem Personal, verlässlichen Abläufen und guten Gesprächen mit Angehörigen.
Dass die Beiträge dieser Ausgabe ineinandergreifen, ist kein redaktioneller Masterplan. Es liegt in der Natur der Sache: Dialyse, Transplantation, Organspende und Gesundheitspolitik treffen dort aufeinander, wo es konkret wird – bei Terminen, Wartezeiten, Gesprächen, Entscheidungen und den Zukunftsentwürfen von Menschen, die trotz Krankheit ihr Leben planen wollen –, und bei einer Politik, die sich daran messen lassen muss, ob sie diese Lebenswirklichkeit ernst nimmt.
Diese Ausgabe blickt deshalb auch auf die eigene Geschichte: 40 Jahre DIATRA-Verlag, 35 Jahre DIATRA und fünf Jahre Gemeinnützigkeit. In einer immer schwieriger werdenden Medienlandschaft ist das keine Selbstverständlichkeit – schon gar nicht für ein gemeinnütziges Unternehmen, das Informationen, Einordnung und Orientierung anbietet. Dies sind Leistungen, die man vielleicht eher von Behörden und öffentlichen Einrichtungen erwarten würde. Wir blicken nicht zurück, um uns selbst zu feiern. Wir blicken zurück, weil sich daran zeigt, warum DIATRA entstanden ist und welchen Auftrag wir bis heute verfolgen: medizinisches Wissen verständlich zu machen, Erfahrungen sichtbar zu halten und Menschen mit ihren Fragen nicht allein zu lassen. Ein guter Anlass also, kurz innezuhalten. Vor allem aber ist es ein Anlass, weiterzumachen.
Denn es gibt keinen Grund, leiser zu werden.
Die neue DIATRA 3-2026 ist da und zusätzlich für unsere Online-Abonnent:innen verfügbar.
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