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Organspende

Elke Büdenbender erhält Ehrenpreis Organspende 2026

Stiftung Über Leben - Initiative Organspende

1. Okt. 2026 · 4 Min. Lesezeit

Die Stiftung Über Leben hat Elke Büdenbender in Essen mit dem Ehrenpreis Organspende 2026 für ihr persönliches Engagement ausgezeichnet. Die Juristin lebt seit 2010 mit einer Niere, die ihr Ehemann, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ihr gespendet hat. Offen spricht sie über ihre Erfahrung und macht insbesondere jungen Menschen und ihren Familien in ähnlich schweren Lebenslagen Mut. Die Auszeichnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Organspende auch öffentlich wieder im Mittelpunkt steht: Vergangene Woche hat der Deutsche Bundestag in erster Lesung über die Einführung einer Widerspruchsregelung beraten.

Besuch bei betroffenen Kindern

Vor der Festveranstaltung besuchte Elke Büdenbender die Kindertransplantationsstation der Universitätsmedizin Essen. Dort sprach sie mit Familien auf der Kinderdialyse sowie mit betroffenen Kindern und Jugendlichen, die ihr auch eigene Fragen stellten.
„Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung“, sagte Elke Büdenbender. „Ich weiß aus eigener Erfahrung, was eine Organspende bedeutet: ein zweites Leben. Die Kinder und Familien, die ich heute in der Kinderklinik getroffen habe, haben mich tief berührt. Ihr Mut und ihre Zuversicht zeigen, wofür es sich lohnt, über Organspende zu sprechen – in der Familie, mit Freunden, mit denen, die uns am nächsten sind.“
Eines der Kinder, die Elke Büdenbender trafen, war Marie, 12 Jahre alt. Sie wurde dank einer Leber-Lebendspende transplantiert, als sie ein Jahr alt war: „Ich kann mich an die Zeit der Transplantation nicht erinnern. Aber ich bin froh, dass ich transplantiert wurde. Mein Leben ist eigentlich ganz normal: Ich gehe zur Schule, fahre gerne Fahrrad und unternehme viel mit meinen Freundinnen. Ich finde es schön, dass mein Papa mir das geschenkt hat.“

Eine Stimme, die Menschen erreicht

„Elke Büdenbender zeigt, dass hinter jeder Zahl auf der Warteliste ein Mensch steht – und dass eine Spende aus Mitmenschlichkeit ein Leben verändern und retten kann“, sagte Laudator Prof. Dr. Eckhard Nagel, Transplantationsmediziner und Medizinethiker.  „Sie spricht persönlich über ihre eigene Erfahrung, lässt andere an Gefühlen, Sorgen, Ängsten und genauso an Freude und Zuversicht teilhaben. Sie spendet Hoffnung, sie macht Mut und zeigt, wie es leichter wird, sich mit schweren Fragen zu beschäftigen. Das ist ein Geschenk an unsere Gesellschaft. Und dies verweist mit darauf, dass Organspende in Europa längst grenzüberschreitend organisiert ist – Solidarität lebt davon, dass sich alle daran beteiligen – Elke Büdenbender ist ein wertvolles Vorbild.“
„Elke Büdenbender gibt der Organspende ein Gesicht, und zwar eines, dem man vertraut, und eine Stimme, die gehört wird“, sagte Prof. Dr. Ulrich Radtke, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Über Leben. „Gerade jetzt, wo der Bundestag über die Zukunft der Organspende berät, braucht es solche Stimmen. Unser Wunsch an die Politik ist, dass sie in dieser Legislaturperiode eine Entscheidung trifft.“

Die politische Debatte

Im Bundestag liegt ein fraktionsübergreifender Gesetzentwurf von 254 Abgeordneten vor, der eine Widerspruchsregelung vorsieht, ebenso ein ähnlicher Entwurf des Bundesrates. Ein Gegenantrag von 58 Abgeordneten will an der Zustimmungslösung festhalten und Aufklärung und Registrierung verbessern. Die Vorlagen werden nun im Gesundheitsausschuss beraten. Die Ärztlichen Direktorinnen und Direktoren sowie die Transplantationsbeauftragten der NRW-Uniklinika hatten sich vor der Debatte in zwei Positionspapieren für die Widerspruchslösung ausgesprochen.
„Als eines der bedeutendsten Transplantationszentren Deutschlands erleben wir jeden Tag beide Seiten: die Menschen, die warten, und die Familien, die auf der Intensivstation eine Entscheidung treffen müssen. In den meisten Fällen hat der verstorbene Mensch seinen Willen nie festgehalten. Es braucht eine Regelung, die Angehörige in dieser Situation entlastet, statt ihnen die Verantwortung allein zu überlassen.“, sagte Prof. Dr. Angelika Eggert, Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Essen.

Organspende im europäischen Vergleich

Im Podiumsgespräch ‚Zwischen Hoffnung und Verantwortung‘ stellten Betroffene selbst die Fragen – Menschen auf der Warteliste, Transplantierte, Lebendspenderinnen und Angehörige. Ihnen antworteten Prof. Dr. Annemarie Weißenbacher (ESOT: European Society for Organ Transplantation), Dr. Axel Rahmel (DSO: Deutsche Stiftung Organtransplantation), Sandra Zumpfe (BDO: Bundesverband der Organtransplantierten e. V.) und Marius Schäfer (Junge Helden e. V.), u.a. darüber, warum andere Länder erfolgreicher sind. In Spanien, dem europäischen Spitzenreiter, gibt es pro Einwohner rund viermal so viele Organspenderinnen und -spender wie in Deutschland.
„Wir erleben in unserem Verein, wie Familien um ihr Kind bangen, während sie auf ein Organ warten. Oft über Monate“, sagt Berit Kunze-Hullmann, Vorsitzende des Vereins Leberkrankes Kind. „Der Blick in unsere Nachbarländer zeigt, dass es anders gehen kann. Ich hoffe, dass die Debatte im Bundestag am Ende den Menschen auf der Warteliste hilft.“

Zahlen und Fakten zur Organspende

Bundesweit warten mehr als 8.000 Menschen auf ein Spenderorgan, in Nordrhein-Westfalen rund 1.900. 2025 gab es bundesweit 985 postmortale Organspenderinnen und -spender, 11,8 pro Million Einwohner. Im selben Jahr starben 633 Menschen auf der Warteliste. Auf eine Spenderniere warten Patientinnen und Patienten im Schnitt etwa acht Jahre.