2025 war das bislang spendenstärkste Jahr in der Geschichte der Gewebespende in Deutschland. Mit dieser guten Nachricht startet die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) ins neue Jahr. Noch nie konnten so viele Patient:innen mit Gewebetransplantaten versorgt werden. Insgesamt erhielten 9.640 Menschen ein Transplantat aus dem DGFG-Netzwerk – ein Plus von 15,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Bemerkenswert ist dabei: Die Zustimmungsquote [Anteil der Gespräche, in denen einer Spende zugestimmt wurde] ist prozentual nicht gestiegen. Dennoch wurden deutlich mehr Spenden realisiert. Ausschlaggebend dafür war vor allem die höhere Zahl an Meldungen aus Kliniken. Mehr als 60.000 potenzielle Gewebespender:innen wurden 2025 erstmals an die DGFG gemeldet – aus über 320 Einrichtungen bundesweit. In mehr als 12.000 Gesprächen mit An- und Zugehörigen Verstorbener wurde über eine mögliche Spende aufgeklärt. In 4.585 Fällen wurde zugestimmt; die Quote lag mit 37,9 Prozent nur geringfügig unter dem Vorjahreswert.
DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel ordnet die Entwicklung ein: „Insgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr Spenden-starkes Jahr 2025. Zuallererst gilt unser Dank immer den Spenderinnen und Spendern sowie ihren An- und Zugehörigen.“ Gleichzeitig hebt er hervor, dass immer mehr Kliniken die Gewebespende fest in ihr Selbstverständnis integrieren – trotz der hohen Belastung im Gesundheitswesen.
Augenhornhäute: Mehr Transplantate, weiter großer Bedarf
Augenhornhäute [durchsichtige vordere Schicht des Auges, medizinisch: Cornea] waren auch 2025 das am häufigsten gespendete und transplantierte Gewebe. Von 4.188 Gewebeentnahmen entfielen 4.070 auf Hornhautspenden. In den Gewebebanken [zugelassene Einrichtungen zur Aufbereitung, Prüfung und Lagerung von Geweben] wurden daraus 6.370 Transplantate für Operationen an Augenkliniken aufbereitet – ein Plus von 16 Prozent. Trotz dieses Anstiegs bleibt die Versorgungslage angespannt.
Herzklappen bleiben knapp
Besonders angespannt ist die Versorgungssituation bei Herzklappen [Gewebe, das den Blutfluss im Herzen reguliert und bei schweren Erkrankungen ersetzt werden muss]. Zwar wurden im DGFG-Netzwerk 472 Herzklappen gespendet – ein Plus von 18,3 Prozent –, dennoch konnte weniger als die Hälfte der Anfragen aus Kliniken bedient werden. Der Grund: Herzklappen werden häufig im Rahmen einer Organspende gewonnen, wenn das Herz selbst nicht transplantiert werden kann. Die DGFG sieht daher großes Potenzial im Ausbau von Spendeprogrammen nach Herz-Kreislauf-Versterben.
Innovation aus der Gewebebank
Neben steigenden Spendezahlen setzt die DGFG auch auf medizinische Innovation. Ein Beispiel ist das LaMEK-Transplantat [vorpräparierte dünne Hornhautlamelle für spezielle Augenoperationen]. Es kommt bei der DMEK-Operation [Descemet Membrane Endothelial Keratoplastik – Ersatz ausschließlich der geschädigten innersten Hornhautschicht] zum Einsatz und vereinfacht den Eingriff deutlich. Da die Lamelle bereits in der Gewebebank vorbereitet wird, entfällt ein zeitaufwendiger OP-Schritt. Das reduziert Risiken und entlastet OP-Teams. Seit 2015 wurde die LaMEK im DGFG-Netzwerk mehr als 4.300-mal vermittelt, allein 556-mal im Jahr 2025.
Gewebespende: Noch immer zu wenig bekannt
Trotz der positiven Entwicklung bleibt die Gewebespende für viele Menschen ein wenig bekanntes Thema. Anders als bei der Organspende wissen viele nicht, dass eine Spende auch bis ins hohe Alter möglich ist und häufig nach Herz-Kreislauf-Versterben erfolgt. Tatsächlich wurden über 88 Prozent der Gewebe auf diese Weise gespendet. Der größte Anteil der spendenden Personen lag in der Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren (37,1 %), knapp ein Drittel war älter als 75 (32 %).
In den meisten Fällen entscheiden An- und Zugehörige über eine Spende – orientiert am mutmaßlichen Willen [angenommene Einstellung der verstorbenen Person], wie es das Transplantationsgesetz (TPG) vorsieht. „Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugehörigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation“, so Börgel.
Blick nach vorn: Register soll helfen
Ein weiteres wichtiges Instrument der Willensäußerung ist das Organspenderegister (OGR) [zentrale Online-Datenbank zur Dokumentation der Spendeentscheidung], das seit März 2024 in Betrieb ist. Bis Ende 2025 haben dort rund 448.000 Menschen ihre Zustimmung oder Ablehnung zur Organ- und Gewebespende hinterlegt. Für 2026 ist vorgesehen, auch Gewebespendeeinrichtungen den Zugriff auf das Register zu ermöglichen – ein Schritt, der helfen könnte, dokumentierte Entscheidungen schneller und verlässlicher umzusetzen.