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ANIM 2026: Ethik und Organspende im Blick

Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls im Fokus

Dr. Svitlana Ziganshyna

15. Juni 2026 · 3 Min. Lesezeit

DIATRA 2-2026
Die Diskussion um Organspende wird in Deutschland seit vielen Jahren intensiv geführt – medizinisch, ethisch und gesellschaftlich. Gerade deshalb kommt der Diagnostik des irreversiblen Hirn­funk­tionsausfalls eine besondere Bedeutung zu. Sie bildet die Grundlage jeder postmortalen Organspende und verlangt höchs­­te diagnostische Sorgfalt, klare Strukturen sowie interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Auf der 40. Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin (ANIM) 2026 (5. bis 7. Februar) in Dortmund stand dieses Thema erneut im Mittelpunkt eines internationalen Symposiums mit Expertinnen und Experten aus Deutschland, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Diskutiert wurden aktuelle Entwicklungen rund um die Feststellung des irreversiblen Hirn­funktionsausfalls, internationale Perspektiven auf dia­gnostische Standards sowie die Bedeutung strukturierter Prozesse für Organspende und Angehörigenbegleitung. Dabei ging es nicht nur um die Diagnostik selbst, sondern auch um die Frage, wie Vertrauen durch transparente Prozesse, hohe Qualitätsstandards und kontinuierliche Weiterbildung gestärkt werden kann.

Klare Standards in einem sensiblen Entscheidungsfeld

Deutlich wurde, dass die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls heute in umfassende neurointensivmedizinische Behandlungskonzepte eingebettet ist und weit über einen rein technischen Prozess hinausgeht. Die Feststellung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls gehört zu den anspruchsvollsten diagnostischen Prozessen der Intensivmedizin. Die Untersuchung erfolgt nach klar definierten Richtlinien und unterliegt strengen fachlichen und organisatorischen Voraussetzungen. Mehrstufige klinische Untersuchungen, festgelegte Beobachtungszeiten sowie – in bestimmten Situationen – ergänzende apparative Verfahren dienen dazu, ein Höchstmaß an diagnostischer Sicherheit zu gewährleisten.
Das Plenum bei der ANIM 2026 (Fotonachweis: Conventus/Helge Schubert)
Das Plenum bei der ANIM 2026 (Fotonachweis: Conventus/Helge Schubert)

Vertrauen über Ländergrenzen hinweg

Der internationale Austausch zeigte dabei, dass viele Herausforderungen über Ländergrenzen hinweg ähnlich wahrgenommen werden: die Sicherstellung hoher diagnostischer Standards, die kontinuierliche Weiterbildung der beteiligten Berufsgruppen sowie die Frage, wie Vertrauen in medizinische Entscheidungen gestärkt werden kann. Trotz unterschiedlicher Gesundheitssysteme wurde deutlich, dass standardisierte Abläufe, interdisziplinäre Zusammenarbeit und transparente Kommunikation international als wesentliche Voraussetzungen für eine qualitätsgesicherte Diagnostik und einen verantwortungsvollen Umgang mit Organspendeprozessen gelten.

Kommunikation, Struktur und Verantwortung

Über medizinisch-diagnostische Fragestellungen hinaus rückten auf der ANIM 2026 insbesondere die interprofessionelle Zusammenarbeit, die Kommunikation mit Angehörigen sowie psychosoziale Belastungen der beteiligten Teams in den Fo­kus der Diskussionen. Mehrere Beiträge beschäftigten sich mit der Rolle professioneller Pflege auf neurointensivmedizinischen Stationen, mit strukturierten Kommunikationsprozessen sowie mit der Begleitung von Angehörigen in hochbelastenden Entscheidungssituationen. Deutlich wurde dabei, dass Organspendeprozesse ein hohes Maß an Erfahrung, Teamarbeit und organisatorischer Struktur erfordern.

Neue Trainingsformate für komplexe Abläufe

Großes Interesse galt zudem modernen Konzepten der Aus- und Weiterbildung. Vorgestellt wurden unter anderem simulationsbasierte Trainingsformate und Virtual-Reality-Anwendungen zur Vermittlung komplexer Abläufe der Diagnostik des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls. Solche innovativen Lernmetho­den könnten künftig dazu beitragen, Handlungssicherheit, Standardisierung und interprofessionelle Zusammenarbeit weiter zu stärken.

Vertrauen entsteht durch Transparenz

Die Diskussionen auf der ANIM 2026 machten deutlich, dass Vertrauen in gesellschaftlich sensiblen Bereichen wie der Organspende vor allem dort entsteht, wo medizinische Entscheidungen nachvollziehbar, transparent und qualitätsgesichert getroffen werden. Die Tagung setzte hierfür wichtige Impulse und unterstrich die zentrale Rolle der NeuroIntensivmedizin im Spannungsfeld zwischen moderner Hochleistungsmedizin, Ethik und Organspen­de.
Dr. Svitlana Ziganshyna
Dr. Svitlana Ziganshyna