Sonne, hohe Temperaturen, warme Nächte: Was für viele einfach nach Sommer klingt, kann für chronisch kranke Menschen schnell anstrengend werden. Hitze belastet den Kreislauf, verändert den Flüssigkeitshaushalt und kann auch Einfluss darauf haben, wie Medikamente wirken. Für Menschen an der Dialyse, Transplantierte und Menschen mit Diabetes gilt deshalb: Nicht jeder allgemeine Hitzetipp passt zur eigenen Situation. Besonders bei Trinkmenge, Medikamenten und Insulin zählt der persönliche Behandlungsplan.
Medikamente: Nicht einfach selbst etwas ändern
Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte bei angekündigter Hitze frühzeitig mit der eigenen Hauspraxis, Fachpersonal für chronische Erkrankungen oder Apotheke klären, ob etwas Besonderes zu beachten ist. Manche Arzneimittel können die Hitzeverträglichkeit beeinflussen oder bei Flüssigkeitsverlust anders wirken.
Wichtig ist: Medikamente nicht eigenständig absetzen, anders dosieren oder zu anderen Zeiten einnehmen. Änderungen gehören immer in ärztliche Hand.
Auch die Lagerung ist ein wichtiges Thema. Medikamente sollten nicht in der prallen Sonne, auf der Fensterbank, im aufgeheizten Auto oder an anderen sehr warmen Orten liegen. Entscheidend sind die Hinweise in der Packungsbeilage. Bei Unsicherheit helfen Apotheken weiter.
Dialyse: Die Trinkmenge bleibt individuell
Bei Hitze heißt es oft: „Viel trinken!“ Für Dialysepatient:innen gilt dieser Rat nicht automatisch.
Es gibt keine allgemeingültige Trinkmenge für heiße Tage. Wie viel Flüssigkeit möglich ist, hängt von der persönlichen Situation ab – zum Beispiel von der Restfunktion der Nieren, vom Dialyseverfahren, vom Blutdruck, vom Gewicht und von weiteren Erkrankungen.
Deshalb sollten Menschen an der Dialyse ihre Trinkmenge mit dem Dialysezentrum abstimmen. Das gilt besonders vor einer angekündigten Hitzewelle.
Pauschale Empfehlungen sind hier nicht geeignet, zum Beispiel:
- „Bei Hitze zwei oder drei Liter trinken.“
- „Zusätzliche Brühe trinken.“
- „Elektrolytgetränke verwenden.“
- „Mehr Salz zu sich nehmen.“
Ob zusätzliche Flüssigkeit möglich oder notwendig ist, muss individuell entschieden werden.
Vor heißen Tagen kann es helfen, diese Fragen mit dem Dialyseteam zu klären:
- Gilt meine bisher vereinbarte Trinkmenge weiterhin?
- Gibt es besondere Vorgaben für sehr heiße Tage?
- Welche Beschwerden oder Veränderungen soll ich direkt melden?
- Wen erreiche ich außerhalb der Dialysezeiten?
Auch Angehörige sollten Dialysepatient:innen nicht allgemein zum Mehrtrinken auffordern. Entscheidend bleibt immer die individuell vereinbarte Trinkmenge.
Nach einer Transplantation: Immunsuppressiva zuverlässig einnehmen
Nach einer Organtransplantation nehmen viele Menschen Medikamente ein, die das Immunsystem unterdrücken. Diese Immunsuppressiva sollen verhindern, dass der Körper das transplantierte Organ abstößt.
Gerade deshalb ist es wichtig, sie zuverlässig nach Plan einzunehmen. Die Einnahme darf nicht eigenständig verändert, pausiert oder abgebrochen werden.
Bei Fragen zur Einnahme, zur Lagerung bei Hitze oder zu neuen Medikamenten sollten Transplantierte das Transplantationszentrum, die behandelnde Praxis oder die Apotheke kontaktieren.
Transplantierte: UV-Schutz ernst nehmen
Unter immunsuppressiver Therapie ist das Risiko für Hautkrebs erhöht. Deshalb ist Sonnenschutz für Transplantierte nicht nur eine Frage des Komforts, sondern Teil der Vorsorge.
Das Bundesamt für Strahlenschutz empfiehlt bereits ab einem UV-Index von 3 Schutzmaßnahmen. Dazu gehören Schatten, schützende Kleidung, Kopfbedeckung und Sonnencreme.
Für Transplantierte heißt das besonders:
- direkte Sonne möglichst meiden,
- Aufenthalte im Freien eher in Zeiten mit geringerer UV-Belastung vormittags oder abends legen,
- die Mittagssonne meiden,
- Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor verwenden,
- bedeckende Kleidung und Kopfbedeckung tragen,
- Solarien meiden,
- Hautveränderungen ärztlich abklären lassen.
Die Empfehlungen der Transplantationsambulanz haben immer Vorrang. Das gilt auch für Hautkrebsvorsorge und Kontrolltermine.
Diabetes: Werte bei Hitze häufiger kontrollieren
Hitze kann auch den Diabetes-Alltag verändern. Bei hohen Temperaturen kann gespritztes Insulin schneller aufgenommen werden, weil die Haut stärker durchblutet ist. Dadurch kann das Risiko für Unterzuckerungen steigen.
Menschen mit Diabetes sollten ihre Glukosewerte an heißen Tagen deshalb mindestens zweimal täglich kontrollieren. Je nach Therapie kann der persönliche Diabetesplan häufigere Messungen vorsehen.
Anzeichen einer Unterzuckerung können sein:
- Zittern,
- Schweißausbrüche,
- Herzklopfen,
- Heißhunger,
- Kopfschmerzen,
- Sehstörungen,
- Wortfindungsstörungen,
- Schwindel,
- Verwirrtheit,
- Schläfrigkeit,
- Bewusstseinsstörungen.
Bei ungewohnt hohen oder niedrigen Werten sollte die Therapie nicht auf eigene Faust verändert werden. Ob Insulin oder andere Diabetesmedikamente angepasst werden müssen, sollte rechtzeitig mit dem Diabetesteam besprochen werden.
Insulin und Diabetes-Technik vor Hitze schützen
Insulin ist temperaturempfindlich. Auch Messgeräte, Teststreifen, Insulinpumpen, Pods und Sensoren können durch Hitze oder Kälte beeinträchtigt werden.
Für Insulin gelten diese Grundregeln:
- Ungeöffnetes Insulin bei 2 bis 8 °C lagern,
- Insulin nicht einfrieren,
- Einen verwendeten Insulin-Pen nicht über 30 °C lagern,
- Insulin nicht direkter Sonne aussetzen,
- Insulin nicht direkt auf Kühlakkus legen,
- Insulin nicht im Auto liegen lassen.
Auch Diabetes-Technik sollte vor direkter Sonne und Hitze geschützt werden. Zusätzlich gelten immer die Lager- und Anwendungshinweise des jeweiligen Herstellers.
Wichtig für Menschen mit Diabetes und zusätzlicher Nierenerkrankung oder Dialysepflicht: Allgemeine Trinktipps nicht übernehmen, ohne die eigene Trinkmengenvereinbarung zu berücksichtigen.
Was Angehörige tun können
Angehörige können an heißen Tagen viel unterstützen – ohne medizinische Entscheidungen selbst zu treffen. Sie können helfen, den persönlichen Hitzeschutz- und Behandlungsplan im Alltag umzusetzen.
Bei alleinlebenden Menschen mit chronischen Erkrankungen wird während einer Hitzewelle mindestens ein täglicher Kontakt empfohlen.
Hilfreiche Fragen sind zum Beispiel:
- Wie geht es dir heute?
- Leidest du an Schwindel, Übelkeit, Schwäche, Atemnot oder Verwirrtheit?
- Ist deine Wohnung sehr warm?
- Sind deine Medikamente, Insulin und Diabetes-Technik vor Hitze geschützt?
- Benötigst du Hilfe bei Einkäufen, Transport oder Terminen?
- Sind deine Dialysezentrum, Transplantationsambulanz, Hausarztpraxis oder Diabetesteam erreichbar?
Angehörige können außerdem praktisch helfen: Fenster tagsüber schließen und verschatten, lüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen, Einkäufe übernehmen oder Begleitung beim Ausgehen in die kühleren Tageszeiten verlegen.
Bei Dialysepatient:innen ist eine Erinnerung ans Trinken nur dann sinnvoll, wenn sie sich an der individuell vereinbarten Trinkmenge orientiert.
Notfall: Wann die 112 gewählt werden sollte
Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall. Hinweise darauf können sein: sehr hohe Körpertemperatur, Kreislaufprobleme, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle, Erbrechen oder Durchfall.
Sofort 112 wählen bei:
- Bewusstseinsstörung oder Bewusstlosigkeit,
- fehlender Reaktion auf Ansprache,
- schwerer Atemnot,
- Krampfanfällen,
- sehr niedrigem Blutdruck oder instabilem Kreislauf,
- Verdacht auf Hitzschlag.
Bis der Rettungsdienst eintrifft:
- Die betroffene Person an einen kühlen oder schattigen Ort bringen.
- Warme oder enge Kleidung lockern oder entfernen.
- Den Körper mit feuchten Tüchern, Wassernebel oder Luftzufuhr kühlen.
- Kühlpacks nur mit einem Tuch zwischen Haut und Kühlpack verwenden.
Getränke nur anbieten, wenn die Person vollständig bei Bewusstsein ist. Bei Dialysepatient:innen darf daraus keine allgemeine Trinkempfehlung entstehen. Hier gelten die individuelle Trinkmengenbegrenzung und die Anweisungen des Rettungsdienstes.
Quellen